Hintergrund

Forschungsstand

Bevölkerungsrepräsentative Studien zur sexuellen Gesundheit der Erwachsenenbevölkerung werden in vielen europäischen Ländern, in den USA und Australien bereits seit vielen Jahren durchgeführt und dokumentieren den gravierenden Wandel des sexuellen Verhaltens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie sind zumeist staatlich gefördert und tragen dazu bei, gesundheitspolitische Maßnahmen zu steuern und Angebote zu Sexualaufklärung und Familienplanung zu verbessern.

In Deutschland gibt es bisher keine umfassenden repräsentativen Daten zum sexuellen Verhalten der Bevölkerung. In Zukunft wird es sicher wichtig werden, über Ländergrenzen hinaus die Veränderungen des Sexualverhaltens in Europa zu beschreiben. Entsprechende Studien in Deutschland werden daher dringend zum Vergleich mit internationaler und europäischer Forschung benötigt.

Studie „Liebesleben“ 2017

In Vorbereitung auf die GeSiD Studie wurde vom Institut für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) im Jahr 2017 die Pilotstudie Liebesleben durchgeführt. Dabei ging es darum (1) die Machbarkeit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zu testen und (2) zwei Erhebungsmethoden zu vergleichen. Die Studie wurde ebenfalls von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefördert und in Kooperation mit Kantar Emnid durchgeführt.

Der 2018 erschienene Datenreport zur Pilotstudie Liebesleben liefert einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse. Weitere Fachpublikationen finden Sie hier.

Weltgesundheitsorganisation

Die Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ basiert auf der WHO-Definition (World Health Organization) von sexueller Gesundheit. Diese legt einen positiven Sexualitätsbegriff zugrunde:

„Sexuelle Gesundheit ist ein Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens bezogen auf die Sexualität und bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, Funktionsstörungen oder Schwäche. Sexuelle Gesundheit erfordert sowohl eine positive, respektvolle Herangehensweise an Sexualität und sexuelle Beziehungen als auch die Möglichkeit für lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen, frei von Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt. Wenn sexuelle Gesundheit erreicht und bewahrt werden soll, müssen die sexuellen Rechte aller Menschen anerkannt, geschützt und eingehalten werden.“ (WHO, 2006).

Fragebogen

Der Fragebogen wurde nach ausführlicher Recherche internationaler Vergleichsstudien entwickelt und im Rahmen der Pilotstudie Liebesleben gestestet.

Er orientiert sich u.a. an den 2016 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelten Indikatoren für sexuelle Gesundheit.
Es werden Fragen zu verschiedenen sexualbezogenen Themengebiete gestellt, darunter:

  • Wissen über Sexualität/Sexualaufklärung, Wissen über sexuell übertragbare Krankheiten und Schutz
  • sexuelle Erfahrungen
  • Sexualität in der gegenwärtigen festen Beziehung bzw. in der gegenwärtigen Singlephase
  • Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung
  • Einstellungen zur Sexualität
  • Verhütung, Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbrüche und Geburten
  • sexuelle Schwierigkeiten und Funktionsstörungen sowie
  • Fragen zur allgemeinen Gesundheit und zur Lebenssituation.

Studiendesign

Alle Informationen zum Studiendesign erhalten Sie unter Studie.

Auswertung

Im Rahmen sexualwissenschaftlicher Forschungsarbeit am Institut für Sexualforschung des UKE erfolgt ein Austausch mit internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über Publikationen in Fachzeitschriften und auf wissenschaftlichen Kongressen.

Im Rahmen der BZgA-Tätigkeiten werden aus den gewonnenen Daten Kampagnen, Medien und Maßnahmen zu Themen wie Sexualaufklärung, Familienplanung und sexuelle Gesundheit für verschiedene Zielgruppen entwickelt. Weitere Informationen zur Arbeit der BZgA finden sie hier.

Erste Ergebnisse der Studie sind Ende 2019 zu erwarten.

Das Team

GeSiD Teamfoto

Unser interdisziplinäres Forschungsteam besteht aus ärztlichen, soziologischen und psychologischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Gerne stellen wir Ihnen unser Team, unsere Arbeit und unsere Partner näher vor.

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